Mai 192013
 

Google killt im Zuge der Restrukturierung seiner Messaging-Dienste (also Video, Audio und Text) den Server-to-Server-XMPP Support. Bisher war bei eine Googlemail-Adresse zudem eine XMPP / Jabber-Adresse, mit der man sich mit im Googlekosmos verlorengegangenen Freunden auch von anderen Servern aus verbinden konnte. Nach der Restrukturierung werden sich andere XMPP-Server, wie z.B. jabber.ccc.de, nicht mehr zu Google verbinden können. Eure Kontakte bei GTalk werden ab diesem Zeitpunkt (den ich bisher noch nicht näher bestimmen konnte) für immer offline sein.

Die Client-to-Server-Anbindung (also Clients wie Pidgin, Gajim oder andere) werden weiterhin unterstützt, allerdings auch nur für Text-Chat, also ohne Audio und Video.

Google verabschiedet sich damit vom dezentralen und freien Konzept des XMPP Protokolls und schmeißt damit die ein weiteres Standardprotokoll von Board (wie schon z.B. CalDav). Facebook und WhatApp nutzen im Hintergrund übrigens auch XMPP, aber der Schutz des eigenen walled garden ist diesen Anbietern wichtiger als freie und uneingeschränkte Kommunkation.

Mai 082013
 

In Berlin findet gerade die re:publica statt, Tanja und Johnny Haeusler haben dort statt ihrer Buchvorstellung (“Netzgemüse”) einen bemerkenswerten Rant abgehalten über den man zumndest mal nachdenken sollte. Ich habe bei Twitter schon Kommentare gelesen, die da irgendwie einen Aufruf dazu um jeden Preis Kinder zu bekommen hineininterpretiert haben, ebenfalls gab es Kommentare die genau das Gegenteil verstanden haben wollen.

In meinen Augen sprechen die beiden eine interessante Sache an: Die Machtstrukturen unserer Gesellschaft sind fest in Hand einer einzigen Generation, und zwar Hand der Babyboomer. Lest euch den Artikel bei der Zeit durch, schaut das Video. Es lohnt sich.

Update: Den Rant gibt es in Schriftform bei spreeblick.com

 

Mai 032013
 

Vor einiger Zeit hatte ich auf den Internet Census 2012 hingewiesen. Dabei hat ein unbekannter Autor auf Millionen Geräten im Internet eine modifizierte Version von nmap installiert und das komplette Internet gescannt.

Ein interessanter Fund wurde jetzt bei Rapid7 veröffentlicht: Der Zugriff per Internet auf AIS-Receiver. AIS ist das Automatic Identification System und das erklärt sich am besten wenn man diese Karte anschaut. Diese Karte basiert auf Daten, die per AIS ausgestrahlt werden. Meist werden diese Daten schon ausgewertet über Karten visualisiert veröffentlicht. Zugriff auf die Rohdaten gibt es scheinbar im Normalfall nicht. Jedes Schiff empfängt und sendet AIS-Daten, diese Daten sind öffentlich und nicht authentifiziert.

Interessant wird es aber wenn die AIS-Receiver unsicher sind und jemand die Ausgabe der AIS-Receiver in großem Stil fälschen kann. Um die Daten von den AIS-Receivern über das Internet in ihre Datenbanken zu bekommen werden wohl oft Serial-Converter genutzt, die das Signal der Receiver per TCP/IP bereitstellen. Diese Dinger wiederum sind nicht für ihre Sicherheit bekannt.

Ein Forscher der Universität New Hampshire hat schon letzten November einen etwas ausführlicheren Blogeintrag zum Thema AIS, Integrität und Sicherheit geschrieben. Dort erwähnt, dass Regierungen scheinbar schon gefälschte AIS-Daten nutzen um ihre Schiffe zu Geisterschiffen zu machen. Dafür habe ich aber leider keine anderen Quellen gefunden:

For example, Spain admitted to practicing ghost fleet generation to give their military an edge during operations. Not that their strategy is likely to work well as a deception as the opposing force is going to wonder why the attack force is broadcasting their location. The USCG actually did one of these things to real mariners by accidents. They commanded a number of unlucky ship AIS transceivers to switch marine channels on the US East Coast. [schwehr.org]

Auch ohne potenzielle Sicherheitslücken geben die Daten aus dem AIS-System tolle Bilder, wie man hier oder hier sehen kann.

Apr 182013
 

1Live vom WDR hat Daniel Suarez lesenwerten Thriller “Daemon” als Hörspiel produziert. Heute Abend geht es ab 23 Uhr los, insgesamt gibt es 3 Teile zu je einer Stunde. Für das zeitsouveräne Nachhören gibt es die Hörspiele scheinbar auch als Download. Ob die jetzt ein Jahr oder 7 Tage Online stehen, konnte ich spontan nicht herausfinden. Gelöscht wird es aber mit Sicherheit irgendwann. Damit unterstützen die öffentlich-rechtlichen die “Initiative gegen ein volles Internet, für ein digitales Zwischenlager“, Sie wissen schon.

Feb 182013
 

Es gibt Situationen da hätte ich gerne ein Facebook-Profil. So heute. Gerade habe bei Wolfram Alpha gesehen, dass man sein Facebook-Profil analysieren lassen kann. Wolfram Alpha erstellt dann z.B. Tagclouds, Landkarten und andere Charts, welche die geposteten Informationen (und die der Freunde) schön visualisieren. Die Charts sehen ziemlich interessant aus. Vielleicht traut sich ja jemand das mal zu probieren. ;)

Wer Wolfram Alpha nicht kennt: WA ist eine sematische Suchmaschine, die natürliche Sprache als Eingabe akzeptiert. Man kann also (momentan nur auf Englisch) Fragen wie “who is chancellor in germany?” stellen und die Suchmaschine liefert die entsprechenden Daten. Probiert es einfach mal aus.

Wolfram Alpha Personal Analytics for Facebook - Screenshot

Wolfram Alpha Personal Analytics for Facebook – Screenshot

Feb 152013
 

Dass die YouTube-Gema-Situation nicht auszuhalten ist, wissen wir spätenstens seit OpenDataCity nachgewiesen hat, dass 60% der Top 1000 Videos in Deutschland gesperrt sind. Die Gema wird auch nicht müde zu behaupten sie hätten nichts damit zu tun. Haha!

Aktuelles Beispiel: Meteoritenregen (“Airburst”) in Russland. Ein historisches Ereignis. Florian Freistetter von Astrodicticum Simplex meint sowas passiert nur alle 1000 Jahre. Ich schätze das bedeutet, dass dieser Airburst der am besten dokumentierte jemals ist. Und diese unsägliche Gema-YouTube-Zensur sperrt eines der schönsten Videos dazu, weil im Autoradio (sic!) scheinbar Gema-Musik lief. Ich hab die Tonspur entfernt und das Video damit hoffentlich Gema-frei gemacht.

Update 15:58: Markus Kompa bei Telepolis zu diesem Thema. Mit Link zu meiner Kopie. Sehr schön.

Feb 122013
 

Einer der bekannteren Jabber-Clients für Android wurde von den Entwicklern vor einigen Tagen bei Github als Open Source unter GPLv3 veröffentlicht. Der Client implementiert eine Liste an Features, die sich durchaus sehen lassen kann:

  • Vorkonfigurierte Profile für Facebook, Google Talk, MSN,…
  • Multi-User-Chat
  • Integration in die System-Kontaktliste
  • SSL/TLS-Support: Die Verbindung zwischen dem Server und dem Client wird verschlüsselt.
  • OTR: Die Nachrichten zwischen den Chatpartnern können verschlüsselt werden. Das bedeutet, dass selbst der Server die verschickten Nachrichten nicht lesen kann.
  • uvm…

Eine vollständige Liste der Features gibt es im Play Store in der Beschreibung oder im Repo bei Github. Damit hebt sich der Client (genau wie alle Open Source Jabber-Clients die ich kenne) deutlich von den bekannten IM-Alternativen für Android (wie Hike oder WhatsApp) ab. Die bekommen ihre Security nämlich nicht ordentlicht hin und wollen auch noch Geld dafür haben.

Jan 282013
 

Wie viel Prozent der Top 1000 Videos bei YouTube sind in Deutschland gesperrt? Schätzt mal. Danach schätzt mal wie viele davon in Afghanistan (das Land das wir mit Bomben demokratisiert haben) oder im Vatikan (ist klar, oder?) gesperrt sind?

Wir leben hier in Deutschland in einer erbärmlichen Situation. Wir lassen uns die Meinungsfreiheit massiv durch die Gema einschränken -  es ist absurd, dass private Unternehmen und Verwertungsgesellschaften ohne zutun der judikativen Gewalt frei YouTube-Videos sperren und wir das mehr oder minder akzeptieren. Wo leben wir eigentlich?

Schaut euch die Zahlen bei OpenDataCity an.

Update: Ich binde mal die Grafik vom datenjournalist.deein. Die Grafik steht unter CC-BY-SA:

Top 10 Länder mit gesperrten YouTube-Videos

Jan 092013
 

Der Journalist Peter Welchering hat massive Unregelmäßigkeiten in den Jahresrechnungen seit 2002 der im Internet nun allseits bekannten Gemeinde Pattonville entdeckt. In seinem Blog dokumentiert er das seit längerer Zeit und dank seinem Beitrag bei CDUWatch hat das Thema auch die nötige mediale Aufmerksamkeit (zumindest bei Twitter und in Blogs, Tageszeitungen fehlen noch) erhalten.

Nachdem ich einen Abend lang Welcherings Blog studiert habe, entschloss ich mich einige Fragen an Frau Keck zu stellen. Hier meine Mail:

Sehr geehrte Frau Keck,

Vorneweg: Ich bitte Sie mir den Erhalt dieses Schreibens per Mail zu bestätigen. Falls keine Bestätigung eingeht werden ich mich postalisch mit einer Kopie dieser Mail an Sie wenden.

“Pattonville: Wie CDU-Politiker eine rechtsfreie Parallelkommune in Baden-Württemberg aufgebaut haben”

Diese Woche wurde diese Meldung über meine Heimat mehrere tausend mal im Internet verlinkt und gelesen. Natürlich, wie konnte ich es anders erwarten, war es keine positive Meldung sondern der Vorwurf der Veruntreuung von Steuergeldern, bewusst nicht eingetriebener Gebühren und der bewussten bis hinter die Verfristung verschleppten Jahresabrechnungen.

Ich bitte Sie hiermit um die Beantwortung folgender Fragen bezüglich dieser Vorwürfe:

- Wie viel Geld ist der Gemeinde Pattonville durch nicht erhobene Abwasseranschlussgebühren im Jahr 2002 verloren gegangen?

- Gab es ähnliche Vorgänge vor oder nach 2002? Falls ja: Um welche Vorgänge handelt es sich, wann sind diese geschehen und wie hoch war der Schaden?

- In welchen Prüfberichten seit 2002 sind so genannten “offene Reste” vorhanden? Wie hoch sind diese Beträge pro Jahr?

- Bis wann werden diese “offenen Reste” aufgeklärt sein? Scheinbar haben Sie beschlossen die offenen Reste 2002 – 2007 nicht aufzuklären (http://www.welchering.de/2013/01/05/neues-aus-der-bananenrepublik/). Aus welchem Grund werden die Ziele der verschwundenen Gelder nicht aufgeklärt?

- Berichte die Herr Welchering einsehen konnte belegen weitere offene Reste in den Jahren nach 2007 (in noch unveröffentlichten Jahresrechnungen). Wird der Verbleib dieser Gelder aufgeklärt? Wenn nein: Warum?

- Werden die ausstehenden Jahresrechnungen vor Verfristung zu Ende geprüft sein? Es scheint als wäre die systematische Verschleppung von Jahresrechnungen bis hinter die Verfristung durch die Verwaltung gewünscht. Falls dies nicht so ist: Warum dauert der Abschluss der Jahresrechnung 6 Jahre? (z.b. 2006 wurde 2012 geprüft)

An dieser Stelle will ich sie zudem auf die mediale Aufmerksamkeit hinweisen, die diese Meldung im Internet erreich hat: Es haben mehrere der größten deutschen Blog mit _jeweils_ mehreren tausend täglichen Lesern über diesen Vorgang berichtet:

http://www.heise.de/tp/blogs/6/153488

http://blog.fefe.de/?ts=ae140743

http://www.nachdenkseiten.de/?p=15736

http://www.cduwatch.de/2013/schwarzer-filz-wie-cdu-politiker-eine-rechtsfreie-parallelkommune-in-baden-wurttemberg-aufgebaut-haben/

zudem taucht die Meldung darüber beim Aggregationsdienst rivva.de auf, was die Folge einer weiten auf Twitter ist. Die Erwähnung dort und bei Twitter alleine hat mit Sicherheit schon ein vielfaches der Leserschaft der Kornwestheimer Zeitung erreicht: http://rivva.de/184675053

Abschließend gestatten Sie mir einen Kommentar: Die Meinungsfreiheit ist eines der höchsten Güter in einer Demokratie. Es ist ungeheuerlich, dass Sie stellvertretend für den Zweckverband versuchen Herrn Welchering durch einen Anwalt einen Maulkorb anzulegen. Statt die gebührende Transparenz walten zu lassen und offene Fragen zu klären, wird versucht einen engagierten Bürger und anerkannten Journalist mundtot zu machen.

Zum Glück hat sich Herr Welchering davon nicht beeindrucken lassen und diesen ungeheuerlich fahrlässigen Umgang mit Steuergeldern weiter in die Öffentlichkeit getrieben. Am Ende konnte auch der ungehaltene
Lokalredakteur (http://www.welchering.de/2012/06/23/wenn-die-holz-medialen-den-digitalen-drohen/) die notwendige Transparenz nicht aufgehalten.

Gehen Sie doch nun bitte mit gutem Beispiel voran und arbeiten die offenen Reste, die nicht erhobenen Abwasseranschlussgebühren und die offenen Jahresabrechnungen transparent in der Öffentlichkeit auf.

Ich bitte Sie außerdem zur Kenntnis zu nehmen, dass auch diese Mail im Sinne der Transparenz im Internet veröffentlicht. Falls Sie nicht wünschen, dass auch die vollständige Antwort veröffentlicht wird, begründen Sie bitte diesen Wunsch.

Vielen Dank und mit mit freundlichen Grüßen

Update vom 19.01, 21:53:

Die Eingangbestätigung ist inzwischen mit dem Hinweis, dass die Beantwortung einige Zeit in Anspruch nehmen wird bei mir eingetroffen. Zudem Ist Herr Girrbach, der die Anfrage stellvertretend für Frau Keck beantwortet, mit der Veröffentlichung nicht einverstanden. Grundlos.

 Posted by at 11:50 am