Die JIM-Studie [PDF] nennt sich selbst “Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland”. Es geht also um die Nutzung der Medien (Radio, Fernsehen, Internet, ein wenig Zeitung) der eben genannten Jugendlichen. In den (Online-)Medien wurde die Studie hauptsächlich in Bezug auf Facebook zitiert. So schreibt der Spiegel sogar Jim-Jugendstudie: Vertrauen in Facebook schrumpft. Das stimmt irgendwie, aber die Jugendlichen ziehen aus dem schwindenden Vertrauen keine Konsequenzen. Mehr dazu im Abschnitt Facebook.
Einige interessante Zahlen habe ich mal in folgenden Zusammengestellt. Radio und Fernsehen lasse ich mal außen vor, auch wenn beide noch einen relativ hohen Stellenwert haben. Warum auch immer.
Wenn ich in folgendem die Gruppe der “Jugendlichen” nicht näher spezifiziere sind es die in der Studie untersuchte Gruppe der 12- bis 19-jährigen in Deutschland. Erhebungsart war eine telefonische Befragung im Zeitraum vom 07. Mai bis zum 17. Juni 2012 unter 1201 Jugendlichen.
Wer die Zahlen nach Altersgruppen oder Bildung ( die Autoren teilen nach Hauptschule, Realschule und Gymnasium ) aufgeschlüsselt haben möchte, sollte in die Studie schauen. Ich werde in folgendem, wenn nicht anders angegeben, das Gesamtergebnis nennen.
Medienkompetenz und Schule
In der Schule selbst ist die Arbeit mit Computer und Internet allerdings nach wie vor eher selten die Regel (25 %) und auch die Entwicklung der letzten Jahre fällt hier sehr bescheiden aus (2011: 22 %, 2010 und 2009: 16 %). [S.37]
Das sind extrem enttäuschende Zahlen. Später geht es dann explizit um die Medienkompetenz der Jugendlichen. Die Autoren sagen, dass die 12-13-jährigen besonders von einer Medienkompetenzvermittlung in der Schule profitieren würden. Das stellen sie fest, indem gefragt wurde ob die Jugendlichen bei der Behandlung entsprechender Themen im Unterricht etwas neues Erfahren, die Themen Datenschutz, Handy, Internet und Communities besser verstanden oder etwas an ihrer Nutzung dieser verändert haben. Schade, dass fast die Hälfte (45%) der Befragten 12-13-jährigen diese Themen garnicht in der Schule behandelt haben – und damit auch nicht profitieren können. (Im Schnitt über alle Altersgruppen sind es übrigens immernoch 38%, die diese Themen nicht behandelt haben).
Die Studie geht hier nicht weiter ins Detail. Scheinbar gibt es an der Stelle aber noch massiven Nachholbedarf in Sachen Medienkompetenzvermittlung. Ich hab schon einige angehende Lehrer gefragt ob sie entsprechende Vorlesungen oder Kurse haben – nichts.
Internetnutzung
Die Jugendlichen wurden in der Studien aufgefordert den zeitlichen Umfang ihrer Internetnutzung auf die Bereiche Kommunikation, Information, Spiele und Unterhaltung einzuteilen. Unter Kommunkation wird mailen, chatten und soziale Netzwerke verstanden, unter Unterhaltung Musik hören oder Videos schauen. Information und Spiele sollten sich selbst erklären. Die Ergebnisse. 45% nutzen das Internet zur Kommunkation, 25% zur Unterhaltung, 16% zum spielen und nur 15% zur Informationsbeschaffung. (sic. 101%) Das sind die Zahlen im Schnitt, wobei die auf Geschlechter heruntergebrochene Zahlen sich im Bereich Spiele arg unterscheiden: (M: 7% : J:22%). Die Prozente verteilen sich bei den Mädchen auf die anderen Bereiche.
Für den Bereich Kommunikation bedeutet das konkret: 78% soziale Netzwerke (also Facebook), 53% Mail, 44% Chatrooms, 24% IM, 19% telefonieren im Internet, Twitter ist mit 7% lesen schreiben 4% schreiben dabei.
Der Bereich Unterhaltung: Videoportale sind mit 71% dabei, 67% hören Musik, 60 % stöbern auf “Profilen der Communities”, 42% “surfen einfach drauf los” und dann wird noch ein wenig TV geguckt (16%) und ein wenig Radio gehört (12%).
Zur Informationsbeschaffung nutzen 82% Suchmaschinen, 36% die Wikipedia (o.ä.), 22% Newsgroups ( sic )19% nicht-Nachrichtenportale, 16 % Nachrichtenportale, 7% Blogs, 3% Podcasts.
In der Studie steht tatsächlich Newsgroups. Ich gehe nicht davon aus, dass 22% der Jugendlichen einen NNTP-Client auf ihrem Rechner haben. An der Stelle sind wahrscheinlich Foren gemeint.
Facebook / “soziale Communities” & Datenschutz
Zuerst das offensichtliche: Facebook! Muss ich mehr sagen? “Welche Communities nutzt du?” Facebook: 2010: 37% , 2011 72%, 2012: 81%, StudiVZ: 2010: 53%, 2011:29%, 2012: 11%. Das tolle dabei: Man sieht wie schnell das gehen kann. 3 Jahre und alle Nutzer sind weg. Andere Netzwerke sind im Alltag der Jugendlichen quasi nicht vorhanden: Twitter, Jabby, Skype und SchülerCC sind je deutlich unter 5%. Die Nutzungsfrequenz ist auch nicht wirklich überraschend: 79% nutzen “soziale Communities” täglich / mehrmals pro Woche.
Zum Datenschutz: 66% haben sich mit ihrem vollen Vor- und Nachnamen angemeldet, 18% nur mit Vor-, 2% nur mit Nachnamen. 15% irgendwas völlig anderes. Scheinbar hat der Hype um die Datenschutz-Optionen was gebracht. Vielleicht waren es auch die viral gewordenen Statusmeldungen und Kettenbriefe. Jedenfalls nutzen 87% “die Privacy-Option”. Um welche es sich dabei genau handelt wird nicht spezifiziert. Aber immerhin haben 87% schonmal was davon gehört. Wenn man die Nutzer dann nach dem gefühlten Schutz der eigenen Daten fragt, erfährt man, dass sich 45% mindestens “weniger sicher” fühlen. Diese Zahlen haben den Spiegel zu der eingangs zitierten Überschrift veranlasst. Trotzdem hinterlegen die Jugendlichen nicht weniger Daten bei Facebook als bisher: 75% hinterlegen Hobbies, 66% eigene Bilder und Filme, die eigene Mail wird sogar mit 50% öfter als letztes Jahr verbreitet.
Im übrigen bringen die Privacy-Optionen auch nichts, wenn man hunderte Freunde hat. Die Tendenz ist klar: 2010 waren es im Schnitt noch 159 Freunde, 2011 206 und 2012 sind es 272.
Handynnutzung
Die Entwicklung bei Handys bekommt jeder mit wenn er auf der Straße die Augen aufmacht. Der Trend geht zum Smartphone, oft mit Internetflatrate. Im Durchschnitt haben die Jugendlichen 23 Apps installiert (Jungs 29, Mädchen 16). Die Art der Apps sind wie folgt aufgeteilt. Communities: 56%, IM: 37%, Spiele: 31%. Danach, deutlich abgeschlagen, “Nachrichten/Wetter/Börse (sic!)” mit 12%. Zudem scheinen mobiles Video-Streaming in Edgeland eine ziemliche Qual zu sein. Am Computer ist das ja eine der Hauptbeschäftigungen, mobil sind es nur 11%.
Interessant ist zudem die Nutzungsart des Handys und Smartphones. Bevor ich die Zahlen aufschreibe noch ein Wort zur Datenbasis: Die Jugendlichen haben zu 96% ein Handy und zu 50% ein Smartphone. Die folgenden Zahlen beziehen sich auf die gesamte Gruppe (also auch auf die Nicht-Smartphone-Nutzer): Nutzungsarten “täglich / mehrmals pro Woche”: SMS und Anrufe je 82%, Musik hören mit 66%, Weckfunktion 54%, Communities 40%, surfen 40%, usw. Mehr dazu auf Seite 56. Interessant wäre es natürlich die Handynutzer rauszunehmen und die Smartphone-Nutzung anzuschauen. Über die vorher beschriebene Verteilung der Apps kann man sich die Ergebnisse schon denken. Das Smartphone ist bei Jugendlichen ein mobiler Zugang zu Facebook.
Update:
Hier gibt es noch eine Zusammenfassung mit Bildern.